Vor 2 Tagen wäre mein Geburtstermin gewesen
Meine Geschichte über Fehlgeburt, Heilung und Gott in all dem Und wie daraus mein „With Love“-Shop entstanden ist

Hi, ich bin Nina. Vor zwei Tagen ist mein Geburtstermin gewesen.
Ehrlich gesagt wusste ich das nicht mehr, ich musste in der App nachgucken, in der ich sehen konnte, wie groß das Baby in der jeweiligen Schwangerschaftswoche ist und was sich gerade entwickelt. In der Woche, in der ich wusste, dass ich es verloren habe, hätten auf dem Ultraschall schon Hände und Füße zu sehen sein müssen, doch als der Arzt den Ultraschall begann, sah ich direkt, dass sie nicht da waren und dass auch der Herzschlag, den ich schon beim letzten Mal gesehen hatte, nicht mehr zu sehen war. Ich hatte es geahnt. Schon seit zwei Wochen. Doch ich hatte gehofft, ich täusche mich. Wollte lieber fälschlich optimistisch als fälschlich pessimistisch sein. Wollte glauben, dass ich möglicherweise einfach so schnell mit der Schwangerschaftsübelkeit „durch“ war. Dass ich an dem Tag eine leichte Blutung gehabt hatte, hatte mich sehr beunruhigt, doch ich hatte mir gesagt, dass ich dies schließlich auch bei der Schwangerschaft meiner Tochter gehabt hatte, die gerade kerngesund in der Schule saß.
In den vorangegangenen Tagen hatte ich mich leicht reizbar gefühlt und die Unordnung in der Wohnung war für mich wie ein rotes Tuch für einen spanischen Stier gewesen. Jetzt wusste ich, was es war: Mein Körper hatte sich schon auf das eingestellt, was meine Seele nicht wahrhaben wollte: Wir mussten loslassen. Loslassen, was noch gar nicht lang genug gewachsen war, um sichtbar Gestalt in unserem Leben anzunehmen.
Ich hatte kaum begriffen, was ich da gehört hatte, da sagte ich meinem Arzt schon: Ich möchte es natürlich abgehen lassen.
Vor 9 Jahren saß ich in einem ähnlichen Stuhl neben einer Ärztin, die mir in wenigen Sätzen raten würde, die Ausschabung direkt an Ort und Stelle machen zu lassen. Ohne mit meinem Mann gesprochen zu haben. Ohne mir zu erläutern, was da gerade passiert war, ob man wüsste, wieso und welche Optionen mir nun blieben. Damals vertraute ich zum Glück meinem Bauchgefühl in soweit, dass ich erst einmal nach Hause ging um mit meinem Mann zu sprechen, bevor ich einen Termin mit der Praxis ausmachte. Während ich nur einen Tag später auf das Einsetzen der Narkose für die Ausschabung wartete, weinte ich, fühlte mich machtlos und enttäuscht. Das Gefühl der Ohnmacht blieb eine Weile und holte mich auch dann wieder ein, als ich ein Jahr später mit meiner Tochter schwanger war. Ehrlich gesagt verließ es mich erst gänzlich, als meine Tochter ein Jahr alt war.

Foto von der 2. Schwangerschaft mit meiner Tochter
Was mich in meiner ersten Fehlgeburt tröstete, waren 5 Dinge:
Die Liebe meines Mannes, meiner Eltern und meiner engsten Freunde
das Erleben von Gott getragen zu sein
der gottgegebene „Zufall“, dass ich just in den Tagen der Fehlgeburt auf den Hund einer Freundin aufpasste, dessen Gegenwart mir so gut tat und
die Posts von @jennakutcher, die kurz vor mir selbst eine Fehlgeburt erlebt hatte und darüber auf Instagram berichtete. Ich fühlte mich gesehen und nicht so alleine.
Die Gewissheit, dass Gott fähig war uns ein Kind zu schenken
In mir wuchs der Wunsch anderen Frauen, die von dem Verlust ähnlich überrumpelt worden waren wie ich, etwas in die Hände zu drücken, das ihnen zeigte, dass sie nicht alleine waren. Dass Gott sie tragen wollte in diesem dunklen Tal und dass sie trauern durften. Während ich das Büchlein für diese Frauen schrieb, schreiben mir mehrere Betroffenen über ihr eigenes Erleben des Verlusts. Mutige, starke, weiche Frauen. Mehrere von ihnen hatten sich entschieden zu warten, dass der Körper das ungeborene Kind selbst „gebar“. Sie berichteten von teils längeren Wartezeiten, aber auch von einem Frieden, von einer Stimmigkeit, von Hebammenbegleitung.

Ich wusste, dass ich dieses Mal den selben Weg wählen wollte. Keine OP.
Mein Arzt stimmte zu, beriet mich, worauf ich achten solle, wann ich doch ins Krankenhaus gehen solle und wir machten einen nächsten Kontrolltermin aus.
Es war ein Dienstag im März 2026. Von diesem Tag an nahm die Blutung langsam aber stetig zu. Dann kamen leichte Wehen hinzu. Am Samstag, als ich mit den Kindern und einer Freundin in einem Park unterwegs war, entschied mein Körper jetzt sei ein guter Zeitpunkt zum Loslassen. Ich hatte Gott gebeten, dass ich es sehen wollte. Dass unser Mini-Menschlein nicht einfach unbemerkt in die Toilette fiel und ich es nie zu Gesicht bekommen hatte. Er erfüllte mir diesen Wunsch. Meine Freundin kümmerte sich in der Zeit um die Kinder. Mein Mann war auf der Arbeit, aber er war gerade fertig, als auch ich „fertig“ war und meldete sich bei mir, ohne geahnt zu haben, dass es der perfekte Zeitpunkt war. Er führte sich grausig nicht bei mir zu sein, aber ich war einfach nur dankbar, dass ich ihn am Telefon dabei hatte und direkt mit ihm sprechen konnte.

Manchmal kommt es anders als erhofft
Das Mini-Menschlein war nicht viel größer als ein Shrimp, die Plazenta groß wie meine Handfläche. Ich dachte das sei es nun gewesen. Doch am nächsten Morgen wachte ich im Blut auf. Ich reinigte das Laken im Gästebett meiner Freundin, reinigte mich selber und zog mir die letzte saubere Kleidung an, um mich trotz der Unterleibsschmerzen noch einmal hinzulegen. Es war keine Stunde vergangen, da war ich wieder voller Blut. Mein Kreislauf, der durch den erhöhten Blutverlust der letzten Tage eh nicht der Stabilste war, sank weiter ab. Ich erlebte ersten Schwindel, sobald ich aufstand. Es war Sonntag morgen, 8:30 Uhr. Ich stand vor der Wahl: ging ich jetzt hier, 50km von zu Hause und meinem Mann entfernt, ins Krankenhaus, evtl mit Kindern? Riskierte hier eine OP zu haben? Oder fuhr ich nach Hause? Meine Hebamme war nicht zu erreichen. So rief ich bei einer Hebamme aus der Kirche an. Sie stellte mir einige Fragen, riet mir noch etwas zu essen und auf dem Heimweg direkt ranzufahren, wenn ich mich unwohl fühlte. Auf einem Handtuch sitzend fuhr ich mit den Kindern nach Hause. Die Fahrt ging gut und schnell vorbei. Mein Mann, der in der Kirche arbeitete, konnte trotz Gottesdienst kommen und ich legte mich direkt ins Bett. Ich verlor weiter Blut, aber es war weniger geworden.
Am Montag hatte ich meinen Kontrolltermin. Auf dem Ultraschall war noch einiges in meiner Gebärmutter zu sehen. Wie konnte das sein? Ich hatte doch gesehen, wie „Shrimpy“ und Plazenta abgegangen war. Was konnte es noch sein? Blut? Restgewebe? Der Arzt ließ mir Blut abnehmen um meine Werte zu checken, denn ich sah ihm verdächtig blaß aus. Wenn die Werte zu gering wären, würde er mich anrufen, damit ich ggf. ins Krankenhaus gehen konnte. Zu niedrige Ferritinwerte seien lebensbedrohlich. Er machte mir jedoch keine Sorgen, unterstützte mich in meiner Wahl des natürlichen Abgangs, gab mir guten Rat und erinnerte mich, dass ich jederzeit anrufen könne, wenn ich Rat bräuchte.
Den Tag über verbrachte ich im Bett. Ich war entmutigt, müde, schwach, erlebte immer wieder Wehen und wurde unsicher. Sollte ich in die Klinik gehen? Wie lange würde das noch gehen? Ich musste an die Geburt meiner Tochter denken, bei der ich ähnlich gefühlt hatte, bei der ich aber wusste, dass mich meine Tochter erwartet. Vorsichtshalber packte ich die Kliniktasche. Ich beantwortete eine Whatsappnachricht und fand zufälligerweise eine Nachricht, die ich am Januar an mich selber geschrieben hatte, eine Bibelstelle: „Therefore we do not lose heart. Though outwardly we are wasting away, yet inwardly we are being renewed day by day.“
2 Corinthians 4:16 NIV
Das war für mich! Auch wenn diese Bibelstelle Nullkommanull auf meine Situation gemünzt war, so gab es in diesem Moment keine perfektere. „Also verlieren wir nicht den Mut. Denn obwohl wir äußerlich aufgerieben werden, werden wir doch innerlich erneuert Tag für Tag.“ Das war genau das, was ich gerade erlebte. Äußerlich sah ich beängstigend und fortschreitend geschwächt aus – und war es auch – doch innerlich tat mein Körper genau das, wozu Gott ihn geschaffen hatte: Er erneuerte sich. Er sorgte dafür, dass das alte Gewebe hinausgespült wurde, abgetragen, ausgeschieden. Wenn er dies getan hat, würde er in wenigen Wochen erneut Gewebe aufbauen um schwanger werden zu können. Das war wie eine Whatsapp von Gott selbst. Ich konnte mich auch nicht mal erinnern, mir diesen Bibelvers jemals geschickt zu haben, zumal ich normalerweise die Notiz-App statt meines WhatsApps-Chats benutzte um mir Dinge zu merken. Ich war ermutigt und gestärkt und ruhte mich aus. Gegen 19 Uhr rief mein Arzt mich an, die Werte waren im unteren Bereich, aber noch ok.

Später am Abend hatte ich den Eindruck pressen zu müssen. Heraus kam all das Gewebe, was noch in mir gewesen war. Die Form und Menge irritierte mich, doch ein Anruf mit meinem Arzt bestätigte, dass alles seine Richtigkeit hatte. Nachdem ich dieses Gewebe herausgepresst hatte, erlebte ich ein Gefühl von Erleichterung, von Freude und von Stolz. Das hatte mein Körper gemacht! Das hatte mein Körper geschafft! Hatte mich seine Unfähigkeit, das Baby zu halten, eben noch enttäuscht, so erfüllte mich nun Stolz darüber, wie vollkommen er diesen Prozess des Loslassens gemeistert hatte.
Beim kommenden Ultraschall waren noch minimale Reste zu sehen, die allerdings mit der nächsten Monatsblutung verschwanden.
Ich brauchte eine Eiseninfusion und Eisentabletten um meinen in den Keller gesunkenen Ferritinwert wieder auszugleichen, doch meiner Seele ging es gut. Sie hatte ja gesagt zu dem Prozess des Abschiednehmens. Hatte sich nicht gescheut vor der Wartezeit, den Komplikationen, dem Ausharren und dem Ungewissen. Sie hatte losgelassen und erlebt, dass dort eine Stärke war. Dass Gott mit mir war. Und dass wir stark genug waren um das zu (er)tragen.

Fünf Monate später reiste ich nach Hamburg zu meiner Arbeitsstelle, um meine Kollegin in die Elternzeit zu verabschieden. Sie war gleichzeitig schwanger geworden. Ich hatte mich zu Beginn meiner Schwangerschaft lange gescheut, es ihr zu erzählen, weil sie selbst bisher nur Fehlgeburten erlebt hatte und noch nicht wieder schwanger geworden war. Doch als ich es über mich brachte, sie einzuweihen, erzählte sie mir, dass sie selbst schwanger war. Diesmal war ich es, die es verloren hatte. Zu keinem Moment vergönnte ich ihr ihr Glück. Zu wissen, dass ich selbst diejenige wäre, die in Elternzeit gehen würde, war seltsam, aber ich empfand keine Trauer. Gott hatte mein Herz vollkommen geheilt.
Gestern bin ich zu einer Fremden gefahren, deren Wehen begonnen haben. Sie plant im Geburtshaus zu gebären. So, wie ich es geplant hatte. Wir hätten gleichzeitig gebären können, wäre es bei mir nicht anders gekommen. Ich habe ihr im Auftrag ihrer Freundin die „Affirmationskarten für Schwangerschaft & Geburt“ gebracht, die ich in meiner dritten Schwangerschaft mit meinem Sohn angefangen habe zu schreiben und die helfen sollen, in Gottvertrauen und Zuversicht zu gebären. Keinen Moment habe ich ihr ihr Glück vergönnt.

Die letzten 10 Jahre habe ich erlebt, erst nicht schwanger zu werden, dann schwanger zu werden und es zu verlieren, schwanger zu werden und Sorge zu haben, es zu verlieren, zu gebären und dabei fast zu verzweifeln, ungeplant schwanger zu werden, zu Hause zu gebären ohne jegliche Schmerzmittel, schwanger zu werden, es zu verlieren und natürlich wieder abgehen zu lassen.
Als mein Mann und ich dieses letzte Baby „gemacht haben“, habe ich das Bild eines Löwen gesehen. Deswegen nennen wir das Baby, das uns vorausgegangen ist „Aslan“. Wie der Löwe in Narnia, der uns an die göttliche Gestalt Jesu erinnert und an seine Allmacht, unendliche Güte, Liebe und Autorität. Wir verstehen nicht alles, was auf dieser Seite der Ewigkeit passiert. Warum manches geschieht und frühzeitig endet, warum anderes nicht geschieht. Warum manches so leicht und anderes so schwer ist. In allem aber haben wir erlebt, dass Gottes Liebe uns trägt. Dass es sich lohnt, auf ihn zu bauen, zu beten und nicht aufzugeben.
Und aus manchem Schmerz ist Segen für andere geworden. Nicht, dass ich sage, es musste dafür passieren. Aber indem ich Gott den Schmerz gegeben habe, hat er mit mir etwas daraus geschaffen, was hunderten von anderen Frauen geholfen hat durch das „Trauerjournal für Sternenmamas“. Auch die Affirmationskarten wären nie entstanden, hätte ich die Geburten nicht als gleichermaßen herausfordernd und erweiternd erlebt. Ich danke Gott für meine Kinder auf der Erde, die ich begleiten und großziehen darf und für meine Kinder, die mir vorausgegangen sind, die ich in Ewigkeit begrüßen darf.
In allem ist er mit uns.
With Love,
Nina







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